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10 Jahre Ausbildungskompetenz

Was ist eigentlich eine generative Trance?

Der Ausdruck „generative trance“ wurde vor einigen Jahren von Dr. Stephen Gilligan geprägt. Dr. Gilligan lernte viele Jahre lang bei dem legendären Neuerer in Medizin und klinischer Hypnose, Milton Erickson, in Phönix. Seitdem ist Gilligan einer der gefragtesten Hypnosetherapeuten der Welt und bereist regelmäßig viele Länder und Kontinente, um Trancearbeit zu lehren. Inzwischen hat er einen neo-ericksonschen Ansatz entwickelt, den er generative Trancearbeit (englisch: generative trance) nennt (vgl. auch Selfrelations Ansatz/Psychotherapie der Selbstbeziehungen). Das Wort generativ in diesem Sinne soll zum Ausdruck bringen, dass in dieser Form der Hypnosearbeit etwas Kreatives generiert werden soll (generativ = erzeugend, fruchtbar; vergl. Generator). Die ganze Trancearbeit dient dazu, gemeinsam mit dem Klienten ein Feld zu schaffen, einen Raum, in dem hilfreiche Dinge auf kreative Weise möglich werden. 

In diesem Zusammenhang spricht Stephen Gilligan von einer neuen Generation der Hypnosearbeit, bei der die konstruktive Verbindung zwischen bewusster und unbewusster Ebene zentral ist. Der bewusste Teil unseres Selbst wird stärker gewürdigt und als „gleichberechtigter“ Partner des Unbewussten betrachtet, als das sonst in der Hypnose üblich ist. Generative Trance lehrt, auf welche Weise wir unseren bewussten Teil organisieren und nutzen können, um mit ihm in eine optimale Verbindung mit dem Unbewussten zu treten, damit sich unsere inneren Kräfte auf kreative und heilende Weise für uns entfalten können. Es geht dabei immer um eine optimale Balance und Nutzung sowohl unbewusster/unwillkürlicher als auch bewusster/willkürlicher Prozesse. 

Der Therapeut des generative-Trance-Ansatzes versucht folglich auch seinen Klientinnen und Klienten diese Verbindung zu lehren und verzichtet deshalb eher auf Konfusions- und/ oder Irritationstechniken (ganz zu schweigen von plumpen therpeutischen Suggestionen für gewünschte Veränderungen), die den bewussten Teil ablenken sollen. Er fördert stattdessen die positive Kommunikation zwischen bewussten und unbewussten Anteilen. Beide werden in ihrer Eigenart gewürdigt und angemessen an Veränderungsprozessen beteiligt.

Als Schüler von Erickson ist Gilligan in tief beeindruckender Weise in der Lage, mit seinem Unbewussten und dem Unbewussten seiner Klientinnen und Klienten so zu kommunizieren, dass Lösungen, Ideen und Heilung daraus resultieren können. Gilligan sieht den Wert der neuen Generation von Trancearbeit darin, dass jeder diese Art von Kommunikation lernen kann und somit auch jeder sozusagen „sein eigener Milton Erickson“ werden kann. Generative Trance ist für jeden erlernbar.

Eine wichtige Komponente kommt bei der generativen Trance unserem Körper zu, der dabei als das „zu Hause“ des Unbewussten betrachtet wird. Der Körper wird auf kreative Weise in die Trancearbeit mit einbezogen und Probleme, Lösungen, Ziele zum Beispiel auch symbolhaft durch den Körper ausgedrückt und dargestellt. Einige Ansätze der generative Trance werden deshalb auch in Bewegung, sitzend oder stehend, ausgeführt. Der bewusste und kognitive Teil unseres Selbst lernt die Fähigkeit, achtsam und neugierig die Botschaften und Signale des Körpers (gerade bei Symptomen und Problemzuständen) zu erkennen, zu würdigen und neue Wege des Verhaltens, Denkens oder Seins zu erlauben und zuzulassen. In diesem Sinne ist der bewusste Teil sehr präsent, beobachtend und begleitet den Prozess des Unbewussten auf sehr unterstützende, aber nicht dominante Weise.